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Neues Förderprojekt: "Plattform zum Wirkstofftest für HSP"

BeitragVerfasst: Fr 8. Feb 2019, 16:33
von Rudi
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Etablierung einer Plattform zur Testung von Mikrotubuli stabilisierenden Wirkstoffen zur Behandlung von SPG4-HSP



Hallo zusammen,

seit einiger Zeit werden in HSP-Studien medikamentöse Wirkstoffe getestet. Das gilt bisher vorrangig für die HSP-Form, die auf Mutationen im SPG4-Gen beruht. Das hier durch den Genfehler nicht korrekt hergestellte Protein Spastin ist bekanntlich im Zusammenhang mit den Mikrotubuli aktiv. Die Microtubuli bilden daher einen wesentlichen Zielpunkt in der Entwicklung von SPG4-Medikamenten. Mikrotubuli sind röhrenförmige Proteinkomplexe, die zusammen mit anderen Elementen das Skelett der Zellen quasi als Netzwerk bilden. Sie sind unter anderm mitverantwortlich einerseits für die mechanische Stabilisierung der Zelle und ihrer Form, andererseits im Zusammenspiel mit anderen Proteinen für Bewegungen und Transporte innerhalb der Zelle. Wenn das nicht funktioniert, können unsere Zellen nicht richtig arbeiten. Die Konsequenzen spüren wir täglich.

Ein Großteil der Testung therapeutischer Kandidaten für die SPG4-HSP hat sich darauf konzentriert, geeignete Substanzen zur Stabilisierung des Mikrotubuli-Netzwerks zu entwickeln. Die Arbeiten wurden an Tiermodellen durchgeführt, die aber die Symptome beim Menschen natürlich nicht vollständig widerspiegeln können. Zudem haben zahlreiche Wirkstoffe sehr unangenehme Nebenwirkungen. Es ist daher dringend notwendig, neben der Wirksamkeit auch die Neurotoxizität und somit die Nebenwirkungen dieser Substanzen in den Nervenzellen zu untersuchen.

Es ist klar, dass sich kein Mensch bereiterklären darf, solche Tests an seinem Körper durchführen zu lassen. Unsere HSP-Forscher haben aber zum Glück seit einiger Zeit die Möglichkeit, menschliche Nervenzellen, die eine HSP-Mutation in sich tragen, aus Hautzellen zu erzeugen. Das geschieht über die sogenannten „pluripotenen Stammzellen“. An so erzeugten Nervenzellen sollen nun im Labor Wirkstoffe darauf getestet werden, ob sie als Kandidaten für eine SPG4-Therapie in Frage kommen. Ziel des Projekts ist der Aufbau einer Plattform, die immer wieder genutzt werden kann, um solche Wirkstoffkandidaten auf ihre Eignung für therapeutische Zwecke testen zu können.

Wir haben unser neues Förderprojekt ganz aktuell mit den HSP-Forschern im Team von Frau Prof. Dr. Beate Winner (Uniklinik zu Erlangen) vereinbart. Zum ersten Kennenlernen ist hier ein Artikel verlinkt in dem Frau Prof. Dr. Winner das Zentrum für Seltene in Erlangen vorstellt und in dem auch Edeltraud Mödl (ein Mitglied unserer Interessengemeinschaft) zu Wort kommt (
Klick hier). In Kürze werden wir von der Erlanger Gruppe eine ausführliche Projektbeschreibung erhalten, die als Basisinformation in die neue Projektseite eingestellt werden wird.

Das neue Projekt benötigt ein Finanzierungsvolumen von 45.000 Euro. In unseren Gesprächen mit der Uniklinik Erlangen haben wir zugesagt, dass wir einen Anteil von 30.000 Euro erbringen werden. Die übrigen 15.000 Euro steuert die Klinik aus eigenen Mitteln bei. Das ist sehr gut und wichtig, weil dieser Schritt die Bedeutung des neuen Forschungsprojekts unter Beweis stellt.

Ich bin mir sicher, dass dieses Modell zum SPG4 eine Vorlage auch für die anderen SPGs bilden kann. Es stellt damit einen wesentlichen Meilenstein in der Entwicklung therapeutischer Optionen dar. Wir werden alle Spenden, die ihr unserem Förderverein zukommen lasst, nun diesem Projekt zuschreiben. Ihr könnt alle
laufenden Förderprojekte mit ihren Statusberichten und den aktuellen Spendenständen auf den Seiten unseres Fördervereins verfolgen.

Herzliche Grüße
Rudi und Lothar

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Re: Neues Förderprojekt: "Plattform zum Wirkstofftest für HS

BeitragVerfasst: So 10. Feb 2019, 14:14
von Thorsten. M
Hallo !

Ich persönlich finde es schade das man keinen gemeinsamen Weg in Richtung Medikamenten Erforschung mit den Australiern gegangen ist,
nicht nur weil Sie dort am nächsten an einer Lösung dran sind sondern auch mit einem Mittel arbeiten der in seinen Nebenwirkungen wohl
überschaubar sein wird da es sich um ein natürlichen Stoff handelt ( Noscapin ).

lg. Thorsten

Re: Neues Förderprojekt: "Plattform zum Wirkstofftest für HS

BeitragVerfasst: So 10. Feb 2019, 16:47
von Rudi
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Hallo Thorsten,

danke für deine Gedanken zur HSP-Forschung und zum Projekt der Australier.

Wir hatten es ja hier bei uns im Forum mehrfach angesprochen, dass das Projekt der Australier finanzielle Unterstützung benötigt. Wir hatten um Rückmeldung zu unserer Bitte gebeten und hatten um ganz gezielte Spenden für das Vorhaben der Australier gebeten. Leider waren die Rückmeldungen extrem schwach. Noch schwacher waren die erbetenen Spendeneingänge. Es gab nämlich keinen Euro für dieses Projekt.

Du solltest es beachten, dass die Studie der Australier genau die gleichen Risiken hat, die alle laufenden Projekte haben. Es kann nämlich niemand seriös sagen, was dabei herauskommt! Deine Aussage, dass Noscapin ein natürlicher Stoff ist, die ist nicht richtig. Noscapin ist ein chemischer Wirkstoff, der bereits seit vielen Jahren bekannt ist. Er wird derzeit zur Hustenbehandlung eingesetzt.

Ja, ja, das hört sich nun völlig unproblematisch an. Wenn man mit Hustensaft die HSP besiegen kann, dann nichts wie los!! Hustensaft hat ja schließlich jeder schon mal genommen. Leider ist das aber nicht so einfach wie es klingt! Noscapin darf nämlich nur zur Behandlung eines so genannten "trockenen Reizhustens" eingesetzt werden. Und dabei wirkt es nicht -wie andere Hustenmittel- auf den Schleim in der Lunge, sondern arbeitet im Hustenzentrum des Gehirns und unterdrückt dort den Hustenreflex.

Du musst es also erkennen, dass Noscapin im Gehirn wirkt. Bei unserer HSP wäre das ja auch nötig. Nur soll es bei uns nicht das Hustenzentrum im Gehirn beeinflussen, sondern es soll auf die HSP geschädigten Nervenzellen in dem Bereich des Gehirns einwirken, der für die Bewegungssteuerung verantwortlich ist. Ob es aber genau dort ankommt und überhaupt eine ‒vielleicht nicht gewollte‒ Wirkung erzeugt oder ob es in ganz anderen Bereichen des Gehirns irgendeine Wirkung hervorruft, das müssen die Patientenstudien in den nächsten Jahren zeigen. Ebensowenig ist momentan klar, welche Wirkstoffmenge zum Einsatz kommen muss. Niemand unter uns HSP'lern kann es heute beurteilen, ob die Menge höher oder niedriger sein wird als die Menge, mit der Husten behandelt wird. Einiges spricht dafür, dass die Menge kleiner sein wird, weil sie ja dauerhaft eingenommen werden müsste und nicht wie beim Husten nur einige Tage. Ob das aber so ist, das müssen die australischen Wissenschaftler zunächst in hochkomplexen Berechnungen ermitteln.

Ich schreibe das hier nur, um darzustellen, dass es nicht wirklich hilfreich ist "nur" über ein Hustenmittel zu sprechen. Das Präparat arbeitet im Gehirn. Mögliche Wirkungen und/oder Nebenwirkungen werden dann an ganz anderen Körperstellen zu spüren sein. Du erkennst es, dass deine Formulierung, dass "die Nebenwirkungen wohl überschaubar sind", eine recht gewagte Formulierung ist. Wenn das nämlich so wäre, dann müssten die australischen Forscher und HSP-Patienten nicht so lange und so intensiv am Projekt arbeiten.

Ich glaube, dass dann, wenn unser Projekt zur Wirkstoffplattform erfolgreich abgeschlossen ist, die Risikobeurteilung von Wirkstoffen sehr viel schneller funktionieren wird als bisher. Das wäre ein sehr großer Vorteil für uns Patienten. Für das Projekt der Australier ist das aber leider zu spät.

Herzliche Grüße
Rudi






Re: Neues Förderprojekt: "Plattform zum Wirkstofftest für HS

BeitragVerfasst: So 10. Feb 2019, 17:44
von Thorsten. M
Hallo Rudi !

Hier ein link zu Noscapin :https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=noscapin

Also für mich ist das pflanzlich und nicht chemisch.

In einem muss man sich aber auch im klaren sein wird es mal ein Medikament geben was hilfreich ist ,macht sich wohl keiner mehr die Mühe
bei unserer Krankheit mit so wenig betroffenen Forschung zu betreiben um ein Nebenwirkungs freieres Medikament zu entwickeln zumal man noch Wechselwirkungen
mit anderen Medikamenten berücksichtigen muss.

Somit fallen die die es nicht vertragen eventuell durchs Raster .

lg. Thorsten

Ps: Jedes Medikament benötigt seine Zeit zur Herstellung im Grunde genommen sind die Australier auch erst seit 2018 in der Entwicklung was nicht wirklich lange ist.

Re: Neues Förderprojekt: "Plattform zum Wirkstofftest für HS

BeitragVerfasst: So 10. Feb 2019, 18:31
von Rudi
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Hallo Thorsten,

danke für die Seite, aus der ich unten etwas einkopiert habe. Ich gehe davon aus, dass das Noscapin über die angegebene Formel künstlich hergestellt wird. So sollte mein Hinweis "Noscapin ist ein chemischer Wirkstoff" verstanden werden. Das ist aber nicht wirklich entscheidend. Denn auch natürliche Stoffe können in der Anwendung erhebliche Nebenwirkungen haben.

Struktur und Eigenschaften
Das Phthalidisochinolin Noscapin (C22H23NO7, Mr = 413.4 g/mol) liegt in Arzneimitteln als freie Base oder als Noscapinhydrochlorid-Monohydrat vor. Noscapin ist ein weisses, kristallines Pulver oder farblose Kristalle. Die freie Base ist in Wasser unlöslich, das Salz Noscapinhydrochlorid ist hingegen leicht löslich. Es kommt natürlich zu 2-8% im Opium aus den unreifen Kapseln des Schlafmohns vor.
Bild



Du schreibst:
In einem muss man sich aber auch im klaren sein wird es mal ein Medikament geben was hilfreich ist ,macht sich wohl keiner mehr die Mühe bei unserer Krankheit mit so wenig betroffenen Forschung zu betreiben um ein Nebenwirkungsfreieres Medikament zu entwickeln zumal man noch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten berücksichtigen muss.

Das ist so aber zum Glück nicht richtig. Alle Medikamente, die bei uns zugelassen sind, mussten zuvor ein Prüfverfahren durchlaufen. Für Medikamente, die bei seltenen Erkrankungen zum Einsatz kommen können, gibt es ganz spezielle Regelungen, die das Verfahren beschleunigen und die auch den wirtschaftlichen Anreiz für die Pharmaindustrie erhöhen. Die Menge der zugelassenen Medikament bei den Seltenen steigt in den letzten Jahren an. Das betrifft andere seltene Krankheiten und leider noch nicht die HSP. Betroffene in anderen Krankheitsbildern sind aktiver. Siehe zum Beispiel die Muskeldystrophie Duchenne. Es gibt etwa 1.500 bis 2.000 Betroffene. In den letzten Jahren wurden für diese Gruppe, die sehr aktiv ist, einige Medis entwickelt und zugelassen (beispielsweise Ataluren).

Du schreibst: "....im Grunde genommen sind die Australier auch erst seit 2018 in der Entwicklung was nicht wirklich lange ist". Zu deiner Info sei es hier einmal hervorgehoben, dass die Australier bereits seit 2008 an dem Projekt arbeiten. Du darfst es nicht übersehen, welche enormen Vorarbeiten da notwendig waren, um überhaupt die möglichen Wirkstoffkandidaten zu finden. Du kannst da bei uns im Forum einiges finden. Schlagworte wie "Olfaktorische Stammzellen", "Pluripotente Stammzellen", Vinblastin, Peroxisome und ähnliche sind da gemeint. Fünf Jahre nach dem Start, also in 2013 wurde damit gestartet Wirkstoffkandidaten zu finden. Heute -nach rund 10 Jahren- hat man aus der Gruppe der Kandidaten einen ausgesucht. Ich glaube dass es nicht richtig ist, zu sagen, dass das Projekt erst in 2018 angefangen hat. Und ich bin mir sehr sicher, dass es auch noch einige Zeit dauern wird, bis die Studien soweit sind, bis es sich erkennen lässt, ob das Noscapin die erhoffte Wirkung hat. Dann dauert es nochmals ein paar Jahre, bis alle erforderlichen Studien erfolgreich abgeschlossen sind, um das Medikament als HSP-Medikament in den Apotheken kaufen zu können.

Herzliche Grüße
Rudi






Re: Neues Förderprojekt: "Plattform zum Wirkstofftest für HS

BeitragVerfasst: Mo 11. Feb 2019, 10:39
von Thorsten. M
Hallo Rudi !
Das was du da reinkopiert hast nennt sich Strukturformel auch Ingwer und andere Pflanzen haben diese Formel ob diese " Struktur " jetzt aus der Pflanze gewonnen wird oder chemisch hergestellt wird ist von den Pharmaherstellern abhängig. Tja wie du sagst " können erheblich " ,mir persönlich fällt jetzt aber z. B kein natürliches Medikament ein bei dem Menschen gestorben sind wenn man diese Ordnungsgemäß eingenommen hat.

UND DAS MIT DEN MEDIKAMENTEN ( neue Herstellen) ist aus meiner Sicht richtig.
Da nehme Ich mal weil es mich selbst Betrifft die sogenannten Thrombozytenhemmer die man umgangssprachlich Blutverdünner nennt , jährlich sterben Tausende Menschen
an diesen Blutverdünnern durch die Nebenwirkungen oder machen sich andere Organe zusätzlich kaputt. Es gibt genügend natürliche Dinge mit den man das Blut ebenfalls verdünnen kann aber Nein die Hersteller bleiben lieber bei ihrer Chemie und man muss als Patient das nehmen was die Pharmaindustrie einen zur Verfügung stellt.

Das mit den Prüfverfahren heißt jetzt auch nicht unbedingt etwas das Mittel Daclizumab verwendet bei MS wurde auf EU Bestimmungen auf den Markt zugelassen und nach nicht
sehr langer Zeit aufgrund erheblicher Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen also dann bleibt wohl nur zu hoffen das man jetzt hier bei der hsp von solch Nebenwirkungen
verschont wird.
Was die Dauer Betrifft hast du natürlich Recht Ich habe die Grundursachen Forschung zu der Krankheit unterm Tisch fallen lassen.
lg. Thorsten